Schriftliches Interview zur Homöopathie mit Frau Staatssekretärin Melanie Huml
Ansprechpartner:
Susanne Petz, Pressestelle Hahnemann-Gesellschaft
Sie treten für ein Miteinander statt ein Nebeneinander der verschiedenen medizinischen Therapierichtungen ein. Nehmen wir mal an, Sie würden der Politik irgendwann den Rücken kehren und als Ärztin arbeiten. Wie würden Sie das Miteinander in Bezug auf Schulmedizin und Homöopathie gestalten?
Gesundheitsstaatssekretärin Melanie Huml: Bei der Behandlung von Patienten ist eine wissensbasierte Entscheidungsfindung von größter Bedeutung. Eine umfassende Untersuchung der Patienten steht deshalb an erster Stelle. Erst dann kann die Wahl für eine bestimmte Therapierichtung getroffen werden. Ob Schulmedizin oder Homöopathie, der Patient soll mit seinem Arzt zusammen über die Therapierichtung entscheiden.
Mehr als die Hälfte der Medizinstudierenden sind heute Frauen. Sicherlich interessieren sich nicht wenige auch für die Homöopathie. Die Ausbildungszeit über Studium, Facharztweiterbildung und der darüber hinaus zu leistenden Weiterqualifizierung in Homöopathie erstreckt sich heute über weit mehr als ein Jahrzehnt. Wie kann man den Bedürfnissen von Frauen mit Familie und gleichzeitigem Ausbildungswunsch bei diesen langen Ausbildungszeiten gerecht werden?
Gesundheitsstaatssekretärin Melanie Huml: Eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf erreichen wir, wenn wir die Arbeitsbedingungen für Ärztinnen und Ärzte mit Kindern verbessern. Dazu brauchen wir flexible und innovative Arbeitszeitmodelle genauso wie die Möglichkeit, sich in Kliniken und Praxen in Teilzeit weiterbilden zu können. Auch Wiedereinstiegskurse sind eine große Hilfe, diejenigen, die längere Zeit keiner ärztlichen Tätigkeit nachgegangen sind, wieder in den Arbeitsprozess zu integrieren. Außerdem besteht wegen der häufig unregelmäßigen Arbeitszeiten ein großer Bedarf an Kinderbetreuungsangeboten mit flexiblen Zeiten.
Die Hahnemann-Gesellschaft wünscht sich die Einrichtung von universitären Lehrstühlen für Homöopathie. Könnte Bayern nicht mit der Einrichtung von innovativen akademischen Ausbildungswegen ein Vorreiter
sein, um die Ausbildung der ärztlichen Homöopathie zu professionalisieren und Forschung zu ermöglichen?
Gesundheitsstaatssekretärin Melanie Huml: Auf dem Gebiet der Homöopathie gibt es bereits zahlreiche Forschungstätigkeiten der Medizinischen Fakultäten in Bayern. Die Fakultäten treffen selbst die Entscheidung, ob Lehrstühle für Homöopathie eingerichtet werden. Mit dem Kompetenzzentrum für Komplementärmedizin und Naturheilkunde im Klinikum rechts der Isar gibt es zudem eine ausgewiesene wissenschaftliche Expertise für Naturheilverfahren in Bayern. In der Aus- und Weiterbildung von Ärzten ist Homöopathie bereits verankert: Über 5 Prozent der niedergelassenen Ärzte in Bayern haben bislang die Zusatzweiterbildung „Homöopathie" erworben.
Sehen Sie konkrete Möglichkeiten, der klassischen Homöopathie politische Rückendeckung zu geben?
Gesundheitsstaatssekretärin Melanie Huml: Medizinischer Pluralismus ist wichtig und sinnvoll. Wir brauchen ein Miteinander, kein Nebeneinander der verschiedenen Therapierichtungen. Deshalb halte ich persönlich auch nichts davon, die Homöopathie aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung streichen zu wollen. Hier sollen die Krankenkassen wie bisher selbst entscheiden können, ob sie die Homöopathie als Leistung für ihre Versicherten anbieten. Wenn wir zu einen Wettbewerb der Kassen stehen, müssen wir ihnen auch die Möglichkeit geben, verschiedene Leistungen anbieten zu können. Grundsätzlich gilt jedoch für alle Behandlungsmethoden, die im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung erstattungsfähig sind, dass die Wirksamkeit nachgewiesen sein muss.
Zwei Drittel der Bevölkerung wenden heute schon komplementäre und alternative Heilmethoden an. Wo sehen Sie Homöopathie in 20 Jahren?
Gesundheitsstaatssekretärin Melanie Huml: In den letzten Jahren hat die Homöopathie in Bayern eine zunehmende Verbreitung gefunden. Immer mehr Bürgerinnen und Bürger vertrauen auf alternative Heilmethoden. Erforschung und Evidenzbasierung sind aber Grundvoraussetzungen für eine qualitativ hochwertige Therapie. Deshalb ist es der Homöopathie zu wünschen, dass in 20 Jahren der Nachweis der Wirksamkeit geführt ist - und die Diskussionen um diese Frage ein Ende finden.