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Interview mit Prof. Walter Köster

„Die homöopathische Medizin muss wissenschaftlich weiterentwickelt werden“

Prof. Dr. med. Walter Köster ist der Leiter und Gründer des ersten Europäischen Masterstudiengangs für Homöopathie an der Universität in Cordoba, Spanien. Durch den persönlichen Austausch mit dem Atomphysiker und Philosophen Carl Friedrich von Weizsäcker entwickelte Köster die Quantenlogische Medizin, die er in Spanien auch unterrichtet. Der Homöopath ist Referent auf dem Symposium „Inspiration Organon“, das die Hahnemann-Gesellschaft am 3. und 4. Oktober in Ingolstadt veranstaltet.

 

Welche Chancen sehen Sie für die Homöopathie im deutschen Gesundheitssystem?
Köster: Die Bedingungen, die das kassenärztliche Abrechnungssystem an Ärzte stellt, sind mit einer homöopathischen Behandlung, wie ich sie verstehe, nicht vereinbar. Deshalb sollte die Homöopathie meiner Meinung nach gar nicht erst versuchen, ins Kassenabrechnungs-System eingegliedert zu werden. Sonst geht es ihr wie den Akupunkteuren. Die meisten von Ihnen sind mittlerweile sehr unglücklich über die im gesetzlichen Kassensystem entstandenen Arbeitsbedingungen. Außerdem macht es wenig Sinn, sich in ein System einzufügen, das unübersehbar eher am Untergehen ist.

 

Auch unabhängig von der Frage der Kassenanerkennung setzen immer mehr Menschen auf Homöopathie. 2009 bezeichneten sich in einer Allensbach-Studie ein Viertel der Befragten als überzeugte Verwender von homöopathischer Arznei. Ist die Homöopathie auch ohne Anerkennung durch das herrschende Gesundheitssystem dabei, sich durchzusetzen?
Köster: Die Homöopathie hat das Potential. Sie birgt ungeahnte Chancen, weil sie quantenlogische Ansätze zeigt, deren sie sich aber nicht bewusst ist. Sie entwickelt diese Grundlagen nicht zu einer Wissenschaft, die stringent auf einem logischen System darlegen kann, warum sie was tut. Das aber ist die notwendige Voraussetzung, eine immer bessere Homöopathie zu entwickeln. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Hahnemann nicht gewollt hätte, dass seine Medizin sich wie die Physik immer weiter entwickeln sollte. Er wäre sicher begeistert, wenn wir den §1 des Heilens noch besser als er umsetzen könnten. Wir wollen doch alle mehr Heilungen, dazu müssen wir schlauer werden, unser Tun besser durchschauen! Hahnemann selbst forderte Abstraktion und Nachdenken ein. Wissenschaftlich hat sich die Homöopathie aber kaum weiterentwickelt. Bleibt sie so stehen, wird sie, wie von Prof. Martin Dinges in seiner „Weltgeschichte der Homöopathie“ beschrieben, dem immer wieder neuen Niedergang in ihrer Geschichte nicht entgehen können. Es erginge ihr nicht anders, als wäre die Physik bei Newton stehen geblieben, weil sie von Newtons Persönlichkeit so fasziniert wäre,

 

dass sie ihm nicht einmal posthum zumuten würde, dass es auf dem Boden seiner Entdeckungen noch vieles zu erkennen gäbe, von dem Newton höchstens eine Ahnung hatte. Das hat Hahnemann nicht verdient.

 

Wie ist es Ihnen gelungen, einen Masterstudiengang in Spanien zu etablieren?
Köster: Den Boden dafür hat der Radiologe und frühere Dekan Prof. Juan Ramon Zaragoza bereitet, der zuvor auch schon die Akupunktur an die Uni von Sevilla gebracht hatte. Er hat mich 2009 nach Sevilla geholt. Nachdem Zaragoza in den Ruhestand gegangen ist, unterrichte ich an der Universität in Cordoba. Allein für den Masterstudiengang ab Herbst 2010 haben sich 80 Ärzte aus ganz Europa angemeldet.

 

Ist mit dem Master-Studiengang ein wichtiger Schritt für das Ansehen der Homöopathie gelungen?
Köster: Mit diesem Titel allein wird es keine Anerkennung geben. Anerkennung bekommen wir derzeit nur, wenn wir statistisch durchschlagenden Erfolg nachweisen können. Bisher kann die Klassische Homöopathie aber nur Einzelerfolge belegen. So wird sie – auch wenn oder gerade weil sie derzeit Mode ist und deshalb oft unqualifiziert angewandt wird – nicht aus dem Randgruppen-Status in der Medizin heraustreten. Der Masterstudiengang hat aber verdeutlicht, dass eine wissenschaftliche Entwicklung der Homöopathie mit dem Ziel größerer Heilerfolge sehr wohl Interesse einer Uni finden kann.

 

Was würde sich ändern, wenn auch in Deutschland die Homöopathie an der Universität gelehrt würde?
Köster: Erst einmal nichts. Jeder Arzt kann heute schon Homöopathie lernen. Es kommt vielmehr darauf an, was gelehrt wird. Das mehr oder weniger reine Auswendig-Lernen von Vorgaben Hahnemanns und Arzneisymptomen, wie das heute leider die Regel ist, füllt einen wissenschaftlich geschulten und interessierten Arzt doch einfach nicht aus. Und es macht auch wenig Sinn, Ärzte in einer stagnierenden Medizin auszubilden. Was wir brauchen, ist die wissenschaftliche Weiterentwicklung, damit wir zeigen können, was in dieser Medizin grundsätzlich steckt und aus ihr gemacht werden kann. Mit der in der Schulmedizin üblichen klassischen Logik kommen wir da nicht weiter, sie ist die Logik des Toten, wie Weizsäcker dargestellt hat. Die Quantenlogik dagegen, das zeigt sich überraschend deutlich, führt mit der Aufdeckung der logischen Struktur der Homöopathie zu einer erheblich höheren Sicherheit in der Praxis, sie gibt die stringente Entwicklung zu einer Wissenschaft vor, die nicht nur Einzelfälle heilt, und ist damit der beste Weg an die Universität, den ich kenne.

 

Mehr Informationen und Anmeldeformulare zum Symposium „Inspiration Organon“ der Hahnemann-Gesellschaft in Ingolstadt finden Sie unter: www.inspiration-organon.de