Bayern – eine Hochburg der Homöopathie
Ärzte beraten in Ingolstadt über Methoden und Zukunft von Hahnemanns Lehre
Alternative Heilmethoden sind auf dem Vormarsch. 200 Jahre nach der Erstveröffentlichung des „Organon der Heilkunst“ – dem Grundlagenwerk der Homöopathie – haben immer mehr Patienten Interesse an homöopathischer Behandlung. Bayern nimmt hierbei einen Spitzenplatz ein: In keinem anderen Bundesland gibt es mehr homöopathisch arbeitende Ärzte. Auf einem Symposium der Hahnemann-Gesellschaft treffen sich die Mediziner vom 1. bis 3. Oktober, um über Methoden und Zukunft der Homöopathie zu beraten. Schirmherrin der Veranstaltung ist Melanie Huml, Bayerische Staatssekretärin für Umwelt und Gesundheit.
Die Zahlen der Bundesärztekammer für 2009 belegen den Trend: Von bundesweit 5834 Ärzten und Ärztinnen mit der Zusatz-Weiterbildung Homöopathie sind allein in Bayern 1506 niedergelassen, also über ein Viertel. Nach einer Studie des Instituts Allensbach griffen 2009 bereits 53 Prozent der Bundesbevölkerung auf homöopathische Arzneimittel zurück. In Westdeutschland liegt die Zahl mit 57 Prozent sogar noch höher (1970: 24 Prozent), knapp zwei Drittel davon sind Frauen. Laut Aussage der Demoskopen sticht dabei die Gruppe der 30- bis 44-jährigen aus Bayern und Baden-Württemberg besonders hervor.
Der Freistaat als Vorkämpfer. 200 Jahre nach der Veröffentlichung Samuel Hahnemanns „Organon der Heilkunst“ gibt es gerade hier vielversprechende Ansätze, der Homöopathie mehr Gewicht zu geben. Beim Fachsymposium der Hahnemann-Gesellschaft, einem Zusammenschluss von rund 120 Ärzten, die ausschließlich homöopathisch arbeiten, werden im Stadt-Theater Ingolstadt Ärzte und Homöopathen über praktische Anwendungen der Homöopathie diskutieren. Unter den Referenten befinden sich der Vorsitzende des schweizerischen Vereins homöopathischer Ärzte Dr. Clemens Dietrich, der homöopathische Krebsspezialist Dr. Jens Wurster und der homöopathische Intensivmediziner Prof. Dr. Michael Frass.
Zweiter Vorsitzender die Hahnemann-Gesellschaft ist der Ingolstädter Arzt und Homöopath Dr. Heinz Gärber. Er ist maßgeblich mit der Organisation des Symposiums betraut: „Der Kongress ist ein wichtiges Zeichen, dass die Homöopathie keine Randerscheinung ist, sondern wissenschaftlich fundierte praktische Medizin, die Erfolg hat.“ Die Wichtigkeit alternativer Behandlungsmethoden betont auch die Schirmherrin des Symposiums, die Ärztin und Staatssekretärin Melanie Huml: „Medizinischer Pluralismus ist wichtig und sinnvoll. Wir brauchen ein Miteinander, kein Nebeneinander der verschiedenen Therapierichtungen, allerdings auf einer wissenschaftlichen Basis. Ich halte persönlich nichts davon, die Homöopathie aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung streichen zu wollen.“
Welchen Stellenwert sich die Homöopathie in der Praxis erobert hat, sieht man an verschiedenen Projekten an Kliniken im Freistaat. Immer öfter bieten sie „Homöopathie“ als Leistung an. So etwa die Kinderklinik St. Elisabeth Neuburg an der Donau, die zusammen mit der Frauenklinik im Klinikum Ingolstadt ein anerkanntes Perinatalzentrum bildet. Dr. Heinz Gärber unterstützt seit 2007 bei Bedarf die schulmedizinische Arbeit in den Neuburger Frühgeborenen-Intensivstationen mit seinem homöopathischen Fachwissen: „In der Regel werde ich von meinen Kollegen angesprochen, doch immer mehr Eltern fragen auch gezielt nach alternativen Behandlungsmethoden. Gerade bei den für Frühgeborene typischen Verdauungsproblemen, bei Krampfanfällen oder bei Babys von starken Raucherinnen und Drogenabhängigen, die mit Entzugsproblematiken
zu kämpfen haben, konnte ich mit der Homöopathie Erfolge erzielen“, resümiert Gärber. Und auch Oberarzt Dr. Lior Haftel freut sich: „Bei der Behandlung schwer kranker Frühgeborener arbeiten wir gern mit Dr. Gärber zusammen. Sein homöopathisches Wissen ergänzt unsere schulmedizinischen Methoden hervorragend.“
Möglich ist eine Initiative wie diese, weil inzwischen auch die Krankenkassen für das Thema mehr und mehr sensibilisiert sind. So unterstützt etwa die BKK Audi die Neuburger Initiative: „Eine aktuelle Kundenbefragung der BKK Audi hat ergeben, dass die Homöopathie von unseren Versicherten als eine der wichtigsten Zusatzleistungen gesehen wird. Gerade bei der komplexen Betreuung von Frühgeborenen und erkrankten Neugeborenen wollen wir alle Möglichkeiten der Homöopathie nutzen, um die schnellere Genesung der Babys zu fördern“, so Andreas Brockmann, Bereichsleiter Politik und Strategie der BKK Audi.
Auch die AOK Bayern bezahlt die homöopathische Behandlung. „Sie setzt sich dafür ein, dass ihre Versicherten bei medizinischer Notwendigkeit alle gesetzlich vorgesehenen homöopathischen Leistungen erhalten. Wir sehen derzeit keinen Anlass, bestehende gesetzliche Regelungen zu ändern und Leistungseinschränkungen vorzunehmen“, versichert Dr. Helmut Platzer, Vorstandsvorsitzender der AOK Bayern, angesprochen auf die Kürzungsdiskussion im Sommer. Zusammen mit der Techniker Krankenkasse (TK) und dem Verein GLObulus e. V. übernimmt die AOK darüber hinaus einen Teil der Personalkosten des seit 15 Jahren laufenden Projekts „Homöopathie in der Pädiatrie“ am Dr. von Haunerschen Kinderspital in München.
Das Ziel, die Homöopathie als Therapiekonzept Ärzten näher zu bringen, sieht Dr. Mira Dorcsi-Ulrich, Vorsitzende von GLObulus e. V. und Mitbegründerin des Projekts, in dieser Kinderklinik inzwischen verwirklicht: „Hier sind wir mit beiden Füßen klar verwurzelt.“ Ein Team von Homöopathen steht den Ärzten des Klinikums zur Seite, die Zusammenarbeit zwischen Homöopathie und Schulmedizin klappt reibungslos. Nun sei es das Bestreben, als Schwerpunktklinik für Süddeutschland auch andere Krankenhäuser für homöopathische Behandlungen zu sensibilisieren. „Das Interesse der Patienten hinterlässt Spuren bei den Oberärzten und Verwaltungschefs“, erläutert Dr. Sigrid Kruse, Leiterin des Haunerschen Projekts.
So hat sich über Anfragen von Patienten die Zusammenarbeit des Dr. von Haunerschen Kinderspitals mit der Kinderkardiologischen Abteilung des Klinikums der Universität München in Großhadern entwickelt. Im St. Marien Kinderkrankenhaus Landshut wurde eine ehemalige Ärztin des Münchner Modells eigens wegen ihrer Zusatzausbildung zur Homöopathin eingestellt und unterstützt nun die Ärzte der verschiedenen Stationen. In den Kinderkliniken in Passau und Augsburg besteht ebenfalls großes Interesse. In der Fugger-Stadt steht auf Wunsch der Patienten ein homöopathisch ausgebildeter Konsiliarius zur Verfügung.
Für Rückfragen zum Symposium „Inspiration Organon“ wenden Sie sich bitte an:
Dr. med. Heinz Gärber
2. Vorsitzender der Hahnemann-Gesellschaft
Telefon 0841-9932010
Email: 2.Vorsitz@hahnemann-gesellschaft.de
www.inspiration-organon.de